Wir bekommen die Frage fast wöchentlich: „Reicht uns nicht der Pro2 für unsere Tour?" oder umgekehrt: „Lohnt sich der Wechsel auf den Pro3 wirklich?". Wir scannen täglich mit Pro3 — und hatten bis Mitte 2023 noch Pro2 im Einsatz. Hier kommt die ehrliche Einschätzung aus der Praxis, ohne Marketing-Geräusche: was der Pro3 wirklich kann, wo der Pro2 weiter genügt, und ab welchem Anwendungsfall der Umstieg sich rechnet.
Was ist neu am Pro3?
Der grundlegende Unterschied ist das Erfassungs-Verfahren. Der Pro2 arbeitet mit strukturiertem Infrarotlicht (Structured Light) — er projiziert ein IR-Muster und rechnet aus der Verzerrung die Distanz. Das funktioniert verlässlich im Innenraum, hat aber zwei harte Grenzen: maximal etwa 4,5 m Reichweite pro Standpunkt, und vor allem keine Funktion im Außenbereich, weil die Sonne das IR-Muster überstrahlt. Der Pro3 ersetzt das durch einen rotierenden 1D-LiDAR-Sensor mit bis zu 100 m Reichweite und vollwertiger Outdoor-Tauglichkeit.
Dazu kommen 134 Megapixel pro Standpunkt statt 134 MP (gleich geblieben — Matterport hat die Auflösung im Pro2 schon hochgezogen, aber der Pro3 liefert sichtbar saubereres HDR, weil die Kamera unabhängig vom IR-Tiefensensor arbeitet). Die reine Scanzeit pro Standpunkt sinkt von rund 35 Sekunden auf rund 20 Sekunden. Bei einem typischen Einfamilienhaus mit 40 Standpunkten sind das knapp 10 Minuten gesparte Vor-Ort-Zeit — klingt wenig, ist aber im Akkord über einen Industriebau-Tag mit 200+ Scans entscheidend.
Praktisch wichtig: der Pro3 wiegt mit 3,4 kg etwa ein halbes Kilo mehr als der Pro2, und das Stativ-Gewicht hat sich subjektiv verdoppelt. Wer den ganzen Tag in einem 4-stöckigen Altbau ohne Aufzug arbeitet, merkt das. Dafür schluckt der Pro3 dunkle Räume deutlich besser — der LiDAR braucht kein Umgebungslicht.
Direkter Vergleich
| Merkmal | Pro2 | Pro3 |
|---|---|---|
| Tiefensensor | Structured Light (IR) | Rotierender 1D-LiDAR |
| Reichweite pro Standpunkt | ~ 4,5 m | bis 100 m |
| Outdoor | Nein | Ja |
| Scanzeit pro Standpunkt | ~ 35 s | ~ 20 s |
| Auflösung Panorama | 134 MP | 134 MP, besseres HDR |
| Genauigkeit (praktisch) | ±1 % auf Strecke | ±2 cm pro 10 m |
| Gewicht | ~ 3,0 kg | ~ 3,4 kg |
| Hardware-Preis (neu) | ~ 4 000 € (gebraucht) | ~ 8 000 € |
Was die Tabelle nicht zeigt: der größte Unterschied ist nicht eine einzelne Zahl, sondern dass Pro3 einen Hybrid-Capture erlaubt — Innen und Außen in einer einzigen Tour, registriert über dasselbe SLAM. Mit Pro2 musste man Außenaufnahmen vorher mit einer 360°-Kamera über die Matterport-App nachschalten und verlor die saubere räumliche Verknüpfung. Das ist der eigentliche Game-Changer.
Wann lohnt sich der Wechsel?
Aus unserer Praxis: in diesen Fällen würden wir nie wieder mit Pro2 antreten.
- Große Hallen und Industriebauten: Bei einer 50-m-Halle mit 8 m Deckenhöhe braucht der Pro2 zwischen Standpunkten quasi alle 3 m einen Setup — der Pro3 nimmt das in 4 oder 5 Standpunkten mit. Die kumulierten Registrierungsfehler bleiben dadurch deutlich kleiner.
- Outdoor-Anschlüsse: Sobald die Tour auf den Hof, in den Garten oder um das Gebäude führen soll, ist der Pro3 alternativlos. Das gilt für Hotels, Resort-Anlagen, Werksgelände und alle Immobilien, bei denen der Außenbereich Teil der Verkaufsgeschichte ist.
- Denkmalpflege und Kulturerbe: Kirchen, Schlösser, Industriedenkmäler — typischerweise große Volumen, dunkle Bereiche, oft mit Außenfassade. Der Pro3 erfasst die Geometrie für ein Bestands-Aufmaß in einem Bruchteil der Pro2-Zeit, ohne nachträgliches Punktwolken-Stitching aus zwei Systemen.
- Industriestandorte und Facility Management: Hier zählt Vor-Ort-Zeit doppelt — der Betrieb steht oft nicht still. Ein Tag mit 200+ Standpunkten ist mit Pro2 schlicht nicht machbar.
- Anbieter, die Punktwolken-Export verkaufen: Die Matterport-E57-/XYZ-Exports aus dem Pro3 sind in Dichte und Reichweite eine andere Liga. Wer Architekten, BIM-Modellierer oder Planungsbüros bedient, kann den Aufpreis problemlos in der Kalkulation unterbringen.
Wo der Pro2 weiterhin reicht
Wir sind nicht hier, um jedem den teureren Scanner aufzudrängen. In diesen Fällen ist Pro2 betriebswirtschaftlich vernünftig.
- Reine Marketing-Touren für Wohnungen und Einfamilienhäuser bis ~ 250 m²: Die kürzere Reichweite ist hier kein Thema. Die Tour-Qualität auf my.matterport.com ist visuell für den Endkunden identisch.
- Einzelne Räume, Praxen, Ferienwohnungen: Wenn keine Außenanschlüsse erwartet werden und keine Punktwolke gefragt ist, sind die Mehrkosten nicht zu rechtfertigen.
- Showrooms, Gastronomie, Coworking-Spaces: Klassische Maklertour-Szenarien — Pro2 liefert die gewohnte Matterport-Qualität.
- Dienstleister im Einstieg: Wer gerade in den 3D-Scan-Markt einsteigt und noch nicht weiß, ob sich die Investition trägt, fährt mit einem gebrauchten Pro2 (4 000–5 000 €) deutlich entspannter — und kann später upgraden, wenn das Auftragsvolumen es trägt.
Unsere Praxiserfahrung
Das vielleicht aussagekräftigste Projekt aus 2025: das Lauffenmühle-Industriedenkmal in Lauchringen — rund 120 000 m² Bruttogeschossfläche über mehrere Hallen, Bürotrakte, technische Bauwerke und Außengelände. Mit Pro2 wäre das schlicht nicht machbar gewesen. Wir hätten weder die Außenflächen, noch die Hallen mit 12 m Deckenhöhe, noch die Übergänge zwischen Innen und Außen sauber in einer Tour verbunden bekommen.
Mit dem Pro3 haben wir das in mehreren Scan-Tagen erfasst, inklusive der Außenfassaden, der Werkshofbereiche und der dunklen Kellerebenen, in denen ein Structured-Light-Scanner gar nichts mehr sieht. Die Punktwolke ist sauber, der digitale Zwilling ist begehbar von der Wiese bis in den Heizraum, und der Auftraggeber kann jederzeit aus jedem Punkt ein Aufmaß ziehen. Genau dieses Szenario — Volumen plus Outdoor plus dunkle Bereiche plus Aufmaß-Anspruch — beschreibt die Stärke des Pro3 vollständig.
Fazit
Der Pro3 ist kein Spielzeug-Upgrade, sondern ein anderes Werkzeug. Wer Industrie, Großimmobilien, Denkmäler oder hybrides Innen/Außen scannt, holt die Mehrkosten in zwei bis drei Projekten zurück. Wer Wohnimmobilien-Touren produziert und keine Punktwolken liefert, kann mit Pro2 weiterarbeiten, ohne dass der Endkunde einen Unterschied sieht. Die ehrliche Faustregel: Pro2 verkauft schöne Touren. Pro3 erfasst Bestand.
Wenn Sie konkret wissen wollen, welches Gerät für Ihr Objekt das richtige ist — oder gleich eine fertige Tour brauchen, ohne selbst zu investieren: Wir scannen für Sie.
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Wir scannen täglich mit Pro3 in DACH — Innen, Außen, Industrie, Denkmal. Ein Anruf reicht für eine ehrliche Einschätzung, was Ihr Projekt braucht.
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