Grundlagen · 9 min Lesezeit

Orthofoto, DGM, DOM, Punktwolke — welches Ergebnis wofür

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026

Ein Drohnenflug liefert nicht ein Ergebnis, sondern sechs: Orthofoto, digitales Geländemodell (DGM), digitales Oberflächenmodell (DOM), 3D-Mesh, Punktwolke und Höhenlinien. Dieser Artikel erklärt, was jedes Format zeigt, worin sich DGM und DOM konkret unterscheiden, und welches Format für welche Aufgabe das richtige ist.

Veröffentlicht am 14. August 2026 Bitblade Vision · Grundlagen

„Wir brauchen die Daten vom Drohnenflug" ist keine Spezifikation — ein einziger Flug liefert mehrere, sehr unterschiedliche Datenprodukte, und nicht jedes eignet sich für jeden Zweck. Dieser Artikel vertieft die Output-Formate aus unserem Grundlagen-Artikel zur Drohnenvermessung und ordnet ein, welches Format wofür gebraucht wird.

Volumenanalyse eines Geländes auf Basis von Drohnendaten

Die sechs Ergebnisformate im Überblick

FormatZeigtTypisches Format
OrthofotoMaßstabsgetreue LuftbildkarteGeoTIFF
DGMReine Geländeoberfläche ohne Vegetation/BautenGeoTIFF, XYZ
DOMOberfläche inkl. Bäume und GebäudeGeoTIFF
3D-MeshTexturiertes 3D-Modell des ArealsOBJ, glTF
PunktwolkeBerechnete 3D-Punkte, bearbeitbarLAS, LAZ
HöhenlinienKlassische Isolinien für CAD/GISDXF, SHP

Orthofoto

Ein Orthofoto ist eine maßstabsgetreue, entzerrte und georeferenzierte Luftbildkarte — wie Google Maps, aber in Ihrer eigenen Auflösung. Anders als ein normales Luftbild sind perspektivische Verzerrungen herausgerechnet, sodass sich im Orthofoto direkt Strecken und Flächen messen lassen. Typischer Einsatz: visuelle Dokumentation, Marketing, einfache Flächenmessung, Grundlage für CAD-Zeichnungen.

DGM vs. DOM — der wichtigste Unterschied

Diese beiden Formate werden am häufigsten verwechselt, obwohl sie fundamental unterschiedliche Dinge zeigen:

  • DGM (Digitales Geländemodell): Zeigt ausschließlich die nackte Erdoberfläche — Vegetation, Gebäude und andere Aufbauten werden herausgerechnet. Grundlage für Hangneigungs-Analysen, Hochwasser-Simulation und Erdmassen-Berechnung.
  • DOM (Digitales Oberflächenmodell): Zeigt alles, was von oben sichtbar ist — inklusive Baumkronen, Dächern und anderen Aufbauten. Grundlage für Volumenberechnung von Gebäuden oder Materiallagern, Sichtachsen-Analyse, 3D-Visualisierung.

Die Faustregel: Geht es um das nackte Gelände, brauchen Sie das DGM. Geht es um das, was auf dem Gelände steht oder wächst, brauchen Sie das DOM.

3D-Mesh und Punktwolke

Beide Formate sind echte 3D-Daten, unterscheiden sich aber im Verwendungszweck:

  • Punktwolke (LAS/LAZ): Die rohen, berechneten 3D-Punkte des Areals. Der bevorzugte Datentyp für Weiterverarbeitung in CAD-, GIS- oder BIM-Software, für Schnitte, Volumenberechnung und Vermessungsauswertung.
  • 3D-Mesh (OBJ/glTF): Ein texturiertes, geschlossenes 3D-Oberflächenmodell — visuell ansprechender, aber weniger präzise für Vermessungszwecke. Bevorzugt für Präsentationen, Web-Viewer und VR-Anwendungen.

Höhenlinien

Höhenlinien (Isolinien) sind die klassische, kartografische Darstellung von Geländehöhen als Linien gleicher Höhe. Sie werden aus dem DGM abgeleitet und im DXF- oder SHP-Format ausgeliefert — das Standardformat für CAD- und GIS-Software, wenn keine vollständige 3D-Punktwolke benötigt wird, sondern eine klassische, planbare Höhendarstellung.

Entscheidungshilfe: Format nach Anwendungsfall

AnwendungsfallEmpfohlenes Format
Baufortschritts-DokumentationOrthofoto + DOM
Erdmassen-BerechnungDGM (bzw. gefilterte Punktwolke)
Marketing / PräsentationOrthofoto + 3D-Mesh
CAD-/BIM-WeiterverarbeitungPunktwolke
Klassische PlanzeichnungHöhenlinien + Orthofoto
Hochwasser-/Hang-AnalyseDGM

Ein Tipp aus der Praxis: Fast alle Formate lassen sich aus denselben Rohbildern eines einzigen Drohnenflugs berechnen. Es lohnt sich also, bei der Beauftragung gleich mehrere Formate anzufragen, statt später einen zweiten Flug zu benötigen. Mehr zu Genauigkeit und den technischen Voraussetzungen dafür im Artikel Drohnenvermessung: Genauigkeit und RTK.

Häufige Fragen zu den Ergebnisformaten

Was ist der Unterschied zwischen DGM und DOM?

Das DGM (Digitales Geländemodell) zeigt nur die reine Erdoberfläche ohne Vegetation und Gebäude. Das DOM (Digitales Oberflächenmodell) zeigt alles, was von oben sichtbar ist, inklusive Bäumen und Gebäuden. Für Erdmassen-Berechnung und Hangneigung braucht man das DGM, für Volumen von Gebäuden oder Baumbestand das DOM.

Wann brauche ich eine Punktwolke statt eines Orthofotos?

Ein Orthofoto ist eine flache, maßstabsgetreue Bildkarte — gut zum Anschauen und Bemaßen in 2D. Eine Punktwolke enthält echte 3D-Koordinaten jedes gemessenen Punkts und wird gebraucht, wenn in CAD- oder BIM-Software weitergearbeitet, Volumen berechnet oder Schnitte erzeugt werden sollen.

Welches Format brauche ich für eine Erdmassen-Berechnung?

Für Erdmassen-Berechnungen wird in der Regel das DGM verwendet, weil es die reine Geländeoberfläche ohne Vegetation und Aufbauten zeigt. Punktwolken können ebenfalls genutzt werden, erfordern aber vorher eine Filterung der Vegetation.

Kann ich alle Formate aus einem einzigen Drohnenflug bekommen?

Ja. Orthofoto, DGM, DOM, 3D-Mesh, Punktwolke und Höhenlinien werden aus denselben Rohbildern eines Drohnenflugs berechnet — mit einer Photogrammetrie-Software wie WebODM. Sie müssen bei der Beauftragung nur festlegen, welche Formate Sie ausgeliefert bekommen möchten.

Fazit

Ein Drohnenflug ist keine Blackbox mit einem Ergebnis, sondern eine Datenquelle für sechs unterschiedliche Formate — jedes mit eigenem Zweck. Wer vor der Beauftragung klärt, wofür die Daten gebraucht werden, bekommt beim ersten Flug alles, was er braucht, statt Formate nachträglich neu berechnen oder gar neu fliegen zu müssen.

Unsicher, welches Format zu Ihrem Projekt passt? Beratung anfragen — wir klären das gemeinsam vorab.

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